Gedanken zum 81. Jahrestag der Befreiung
Am 11. April jährt sich der Tag der Befreiung des KZ Buchenwald zum 81. Mal. Dieser Jahrestag fühlt sich anders an als die vorherigen. Die Risse in der hochgelobten deutschen „Erinnerungskultur“ werden so zahlreich und so tief, dass es nicht mehr lange dauern könnte, bis hier etwas irreparabel zerbricht.
Dass man sich an das beständige Störfeuer von Rechtsaußen mittlerweile fast schon gewöhnt hat, ist ein alarmierendes Zeichen. Auch in diesem Jahr wird die Thüringer AfD um Björn Höcke versuchen, das Gedenken für ihre Zwecke zu instrumentalisieren. Bald könnte zudem eine neue Situation eintreten, falls ihr Kandidat Thomas Benninghaus im Juni die Landratswahl in Saalfeld-Rudolstadt gewinnt. Dort liegt die kommunal getragene KZ-Gedenkstätte „Laura“. Die AfD könnte somit erstmals Verantwortung für einen lokalen Erinnerungs- und Lernort bekommen.
Zusätzlich bereitet uns eine weitere Entwicklung Sorgen: Unter den angemeldeten Veranstaltungen zum Jahrestag befinden sich mehrere israelfeindliche Protestaktionen, deren Organisationsgrad eine neue Qualität erreicht hat und deren Vertreter:innen sich teils offen antisemitisch äußern. Unter anderem die Kampagne „Kufiyas in Buchenwald“ ruft zu Demonstrationen im Kontext des Jahrestags auf und verbreitet dabei auch Falschinformationen. Es ist völlig inakzeptabel, die Gedenkstätte Buchenwald in dieser Weise gezielt zum Austragungsort eines externen Konflikts zu machen. Die Gedenkstätte wehrt sich hiergegen und hat eine entsprechende Richtigstellung veröffentlicht. Auch Verbände von Überlebenden und Angehörigen haben die Kampagne zurückgewiesen.
Als Förderverein Buchenwald e.V. appellieren wir…
…an die Demonstrierenden: Proteste müssen ohne Gewalt und ohne antisemitische oder sonstige menschenfeindliche Äußerungen erfolgen. Die Würde des Ortes und des Gedenkens muss gewahrt bleiben. Die Überlebenden und ihre Angehörigen müssen sich sicher fühlen können.
…an die Regional- und Bundespolitik: Wer sich bisher stolz über unsere deutsche „Erinnerungskultur“ geäußert hat, muss sie nun auch konsequent gegen Angriffe verteidigen, egal woher diese kommen.
…an die Zivilgesellschaft: Wir alle können, jeweils nach unseren Möglichkeiten, zum Schutz des Gedenkens beitragen – durch Teilnahme an den Gedenkveranstaltungen, durch klare Positionierungen im beruflichen, privaten oder digitalen Raum, durch Spenden an Gedenkstätten und Organisationen, die sich für Bildung oder für die Belange von Betroffenen einsetzen.
Wir erklären uns solidarisch mit der Gedenkstätte Buchenwald und werden mit allen Gleichgesinnten weiter daran arbeiten, die Erinnerung an die nationalsozialistischen Verbrechen wachzuhalten und die richtigen Lehren daraus zu ziehen.
Der Vorstand des Förderverein Buchenwald e.V.